Title: Charakteristika
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Charakteristika


Begriffe und Definitionen:

Bauaufnahme, Architekturaufnahme, Architekturvermessung, Bauaufmaß:
Oberbegriffe, die besagen, dass Bauten geometrisch und gegebenenfalls auch attributiv erfasst werden. Traditionell schließt das i.a. die bildliche Erfassung und die visuelle Darstellung nicht ein, obschon dieser Sektor rapide an Bedeutung und Auftragsvolumen zunimmt.
Baudokumentation:
Erfassung und Darstellung der Bauwerksgeometrie
Bestandserfassung, Bestandsaufnahme, Bestandsdatenerfassung:
Baudokumentation, um die Pläne für Umbau und Renovierung zu erstellen (für das Bauen im Bestand) oder Unterlagen für Facility Management zu beschaffen. (s. dort in CCES)
Aufmaß:
a. aus vermessungstechnischer Sicht: die Erfassung der Geometrie
b. aus Sicht der Architektur: Baudokumentation, Systemaufmaß: Geometrieerfassung zur Darstellung im Maßstab 1:100 (selten größerer Maßstab), man sagt auch architektengerechtes Aufmaß = idealisiertes Aufmaß, denn hier wird schon bei der Aufnahme generalisiert
c. analytisches Aufmaß: bei Bauanalyse und (historischer) Bauforschung; bestehend aus Baudokumentation und Interpretation. Hohe Konsistenz und hohe Genauigkeit ausgesuchter Einzelpunkte sind gefordert, insbesondere formgerechtes, verformungsgetreues Aufmaß: Hier wird nicht generalisiert, sondern die Realität wird so erfasst, wie es die Messgenauigkeit zulässt und so weit der Aufwand gerechtfertigt ist. Da die Aufnahme vor Ort und sehr detailgetreu erfolgt, spricht man auch von "porträtierender Arbeitsweise".
Informationssysteme: Sie unterscheiden sich
a. nach der Art des Gegenstandes: Profanbau des täglichen Lebens, Denkmal, historischer Bau, Ensemble usw.
b. nach dem Grad der Aktivität, die dem Nutzer ermöglicht wird: z. B. nur Betrachter eines Archivs oder mehr, z. B. Planender, der ein FM-(Facility Management)-System mit Umzugsmodul oder Programm zur Wirtschaftlichkeitsberechnung nutzt. Grundlage ist jeweils die Geometrie.

GebIS = Gebäudeinformationssystem; es charakterisiert den Status quo u.a. durch Bauwerksgeometrie, Nutzungsbeschreibung, Bild und weitere Informationen jeder Art (s. DVW-Schriftenreihe Bd. 19).
MIS = Monument Information System (Denkmal-Informations-System)
Monitoring System = (anzustrebende) höchste Stufe eines Informationssystems mit dem Ziel, bei besonders wertvoller Substanz rechtzeitig auch zukünftige Entwicklungen zu erfassen, z.B. zeitliche Veränderungen zu erkennen, um eventuell gegenzusteuern.

Anlass für eine Baudokumentation/ Bauaufnahme:

Umbaumaßnahmen ("Bauen im Bestand"),
Restaurierung,
Sicherungsmaßnahmen,
Verformungsanalyse - nicht immer quantitativ, bei historischer Bausubstanz eher auch qualitativ (neben allgemeiner Verformung insbesondere Neigung, Senkung),
öffentliche Präsentation, Dokumentation, Archivierung.

Auftraggeber: Privat, Architekt, Denkmalpflege, Kommune, Makler, Public Relations Agentur, Statiker, Bauingenieur, Archäologie, (Kunst-)Historiker, Bauforscher

Resultate der Vermessung und Darstellung der Ergebnisse erfolgen z. B. gemäß der nachfolgenden Tabelle.


Primär numerische Darstellung Primär visuelle Darstellung
Numerische Daten:
Koordinaten, Maße, Flächen
Strichzeichnung  Flächenbelegte Visualisierung
Alphanumerische Daten:
Attributliste
Grundriss/Aufriss,
Projektion,
Fassadenbild,
Steingerechter Plan,
Gittermodell, z.B. als Dreiecksvermaschung
3D-Modellierung mit Textur/Renderung, fotorealistisch 
  1. statisches Modell
  2. Bewegung im Modell, frei oder geführt
Panorama
Evtl. Ziel:  Datenbank als Grundlage für ein Monitoring


Die Art der Darstellung wird i.a. vom Auftaggeber festgelegt, und damit auch der Detaillierungsgrad und der inhaltliche Umfang der Aufnahme.

Genauigkeit/Detailauflösung: Besonders markant sind die unterschiedlichen Anforderungen an die Detailgenauigkeit - und damit an die Genauigkeit der Aufnahme schlechthin. Die folgende Tabelle enthält eine grobe Einteilung:


Grobe Einteilung in Arbeitsbereiche Baudokumentation/ Bauanalyse Denkmalpflege Architekturaufnahme/ Bauaufmaß
Zugehörige Genauigkeiten 3 mm ... 1 cm 1 cm ... 2 cm 2 cm ... 5 cm
Richtung abnehmender Genauigkeit  >>>
Fachausdrücke, die Güte der Detaillierung betreffend porträtierend, analytisches Aufmaß formtreu, verformungstreu architektengerecht, idealisiert


Die Übergänge sind fließend, die Begriffe nicht scharf fixiert. Dennoch lassen sich Unterschiede klar erkennen:

Mit den Begriffen Bauaufmaß oder Architekturaufnahme wird im allgemeinen die Planerstellung für das Bauen im Bestand verbunden. Bei der Vermessung wird generalisiert. Leichte Abweichungen vom offensichtlichen Sollzustand - z. B. Wandwölbungen im cm-Bereich - werden toleriert. Daher spricht man hier auch von idealisierter bzw. architektengerechter Aufnahme und Strukturaufmaß.

Im Bereich der Denkmalpflege steht die Erfassung des Status quo für Zwecke der Archivierung und Erhaltung im Vordergrund. Die Baudokumentation soll, was die Geometrie betrifft, die Bauwerkseigenheiten abbilden. Die damit verknüpften Begriffe "verformungsgetreu" und "formgerecht" besagen, dass die bei historischen Bauwerken augenfälligen, eher ungewollten Verformungen - z. B. Abweichungen aus der Vertikalen, Unebenheiten von Wandflächen, Abweichungen vom Rechten Winkel usw. - erfasst werden. Es wird aber noch eine gewisse Generalisierung zugelassen, z. B. oft nicht wie bei der Bauforschung steingenau aufgenommen. Üblich ist heute i.a. die Erfassung in Grundriss, Aufriss und Ansichten. Strichförmige Fassadendarstellungen werden teils vom großmaßstäbigen, detaillierten Orthophoto abgelöst oder dadurch ergänzt.

Bauforschung und Bauanalyse verlangen höchste Detailtreue. Das analytische Aufmaß erfordert die porträtierende Aufnahme angesichts des Objektes, wobei eine Vielfalt von Attributen - geometrisch richtig eingeordnet - zu erfassen und zu bewerten sind. Die unterschiedlichen mit der Dokumentierung von Baudenkmälern und archäologischen Stätten befassten Fachbereiche benutzen unterschiedliche - innerhalb der Fachwelt nicht unumstrittene - Klassifizierungen zur Bezeichnung des Detaillierungsgrades, i.a. verknüpft mit Maßstabsangaben, z.B. Aufmaß I. Grades (Darstellung 1:100), Aufmaß IV. Grades (Pläne1:25).



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