

Da die Absteckung von außerhalb des Baugeschehens erfolgen muss, bietet sich - wie bei jeder Verkehrslinie - ein trassennaher Polygonzug an. Dieser wird jedoch auf beiden Seiten der Brücke geführt und in Querrichtung zu einem Netz verknüpft. Je länger die Brücke, desto schlauchförmiger wird die Figur. Bei den Querverbindungen ist von vorn herein zu beachten, dass mit dem Anwachsen der Brückenpfeiler Sichten verbaut werden können. Der seitliche Abstand der Punkte ist so zu wählen, dass die Beobachtungen vom Baugeschehen möglichst wenig gestört werden.
Das Netz muss einerseits die Genauigkeit der Absteckung gewährleisten und andererseits meist Grundlage für die Stabilitätskontrolle bzw. Überwachung werden. Von entscheidendem Einfluss insbesondere für die Längsrichtung ist das Material, aus dem die Brücke errichtet werden soll. Heutzutage ist das überwiegend Stahlbeton. Bei mehreren am Bau beteiligten Firmen empfiehlt es sich, eine Strecke für den Maßstabsvergleich aus dem Netz abzuleiten.
In der Regel bildet man bei größeren Brücken ein örtliches Sondernetz, das mit der Hauptachse in Brückenlängsrichtung koordiniert wird. Später überführt man es in das übergeordnete Landesnetz (Gauß-Krüger-System). Die Netzpunkte sind als Vermessungspfeiler zu vermarken sowie zu schützen und von Zeit zu Zeit zu überprüfen, vgl. dazu Abschnitt Überwachung. Die folgende Skizze zeigt den prinzipiellen Aufbau eines Lage-Festpunktfeldes für eine Brücke Die Prinzipskizze geht von einer Talbrücke von mehreren 100 m Länge aus.

Herkömmlicherweise werden bei Brückenvermessungen moderne Präzisionstachymeter eingesetzt, insbesondere für die Absteckung nach der Polarmethode. Um die Genauigkeit in Längsrichtung zu gewährleisten und eventuell den Verlust von Nachbarsichten - siehe oben - aufzufangen, bietet sich das Satellitenverfahren an. Angesichts der großen Verantwortung ist zu überlegen, ob nicht - zur unabhängigen Kontrolle - beide Verfahren eingesetzt werden.
Beide Messverfahren liefern ein dreidimensionales Netz. Häufig benötigt man jedoch für die Höhenbestimmung eine genauere Messmethode, vgl. Abschnitt Höhenmessung, so dass man - insbesondere wegen der unterschiedlichen Vermarkung der Punkte - Lage und Höhe als getrennte Netze behandelt.
Für die Genauigkeit einer Brücke aus Stahlbeton sind in [1] folgende Standardabweichungen angegeben:
Längsrichtung: 10 mm, Querrichtung: 5 mm, Höhe: 2 mm.
Für sonstige Massivbrücken gilt der zweifache Betrag. Meist werden allerdings die Genauigkeitsvorgaben vertraglich festgelegt.

Sobald die Lage der Vermessungspunkte erkundet und grob festgelegt ist, lässt sich mit geschätzten Standardabweichungen für die Messgenauigkeit eine Netzplanung (Simulation) durchführen. Dabei kann überprüft werden, ob die Netzfigur die erforderliche Punktgenauigkeit liefert und ob sie eventuell ausgedünnt werden kann oder verdichtet werden muss.
Als möglichst realistisches Demonstrations-Beispiel wurde das Punktfeld für die 1030 m lange Rheinbrücke der A 42 gewählt. Die Lage der Vermessungspunkte wurde dem Grundriss grafisch entnommen [20]. Als Beobachtungsgrößen wurden fiktive Strecken gewählt, wie sie sich als sog. Basislinien bei der Satellitenmessung ergeben.
In das Netz mit 11 Punkten wurden von 55 möglichen Strecken die Hälfte, d. h. 27 eingeführt. Berücksichtigt wurden insbesondere Nachbarstrecken, einige übergreifende Verbindungen sowie die längste im Netz mögliche Strecke (1,26 km) zwischen den Punkten 1 und 9. Die freie Netzausgleichung besitzt 22 unbekannte Koordinaten und mit Defekt 3 die Redundanz 8. Unabhängig von ihrer Länge wurde als Standardabweichung für eine Strecke 5 mm angenommen. Die folgende Figur zeigt die Standardellipsen, die in ihrer Form das langgestreckte Netz widerspiegeln.


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