Bei der Grundlagenvermessung im Tunnelbau geht es im wesentlichen um den Aufbau eines spannungsfreien Sondernetzes zur Übertragung der geplanten Tunnelachse in die Örtlichkeit. In zunehmendem Maße werden diese Sondernetze aber auch als Ausgangspunkt für die während der Bauphase durchzuführenden Kontrollvermessungen und die geotechnischen Messungen benötigt. Ein Sondernetz für den Tunnelbau setzt sich im allgemeinen aus zwei Portalnetzen zusammen. Diese werden in einer größeren Messkampagne miteinander verbunden und an übergeordnete Punkte angeschlossen. Ein solches Konzept wurde in (Kahmen u.a., 1998) für die Absteckung von Hochgeschwindigkeitstrassen vorgestellt. Da die Portalnetze (Abb. 3) während der gesamten Bauphase und nach Möglichkeit auch noch darüber hinaus zu Absteckungs- und Überwachungsaufgaben zur Verfügung stehen sollten, stellte sich die Frage nach einer dauerhaften Vermarkung. Für diese Aufgabe kommen daher nur Pfeilerpunkte in Frage. Die gegenüber anderen Vermarkungsarten höheren Kosten rechtfertigen sich jedoch durch die hohe Stabilität und die für die Tunnelabsteckung unumgängliche Zwangszentrierung. Ein weiterer Vorteil eines Pfeilernetzes ist die Möglichkeit, dass dieses Netz über längere Zeit und bei ausreichender Stabilität auch als Grundlage für Deformationsmessungen dienen kann. Zur Anlage von Netzen für die Deformationsanalyse sei hier verwiesen auf (Niemeier, 1985).
Abb. 3: Anordnung eines Portalpfeilernetzes
Das oben beschriebene Konzept wird heute meist durch GPS gestützte Vermessung des Sondernetzes mit ergänzenden terrestrischen Messungen in den Portalbereichen sowie einem portalverbindenden Nivellement realisiert. In den meisten Fällen ist es entscheidend, nicht nur ein spannungsfreies Sondernetz für ingenieurvermessungstechnische Aufgaben zu schaffen, sondern dieses Netz auch ohne größere Spannungen in ein vom Auftraggeber vorgegebenes Netz zu überführen.