
 Baumann, Eberhard, Prof. Dr.-Ing., Stuttgart, Hochschule für Technik

 Die Konstruktion einer Brücke richtet sich sowohl nach der Statik als auch nach der Gestalt, weshalb beim Entwurf Ingenieur und Architekt oft zusammenarbeiten. Dies gilt besonders in einer engen Besiedelung, wo Brücken nicht nur topographische Hindernisse überwinden, sondern auch den Verkehrsfluss beschleunigen. Das Spektrum reicht von der Hochstraße bis zum Kreuzungsbauwerk, von der Strom- bis zur Talbrücke, vom Unterführungsbau bis zur Klappbrücke. Für die Gestalt von Brücken gibt es zahlreiche Typen; die 3 grundlegenden sind: Balkenbrücke, Bogenbrücke und Hängebrücke. Zwischen Eisenbahn- und Straßenbrücke gibt es trotz unterschiedlicher Belastung aus vermessungstechnischer Sicht keinen prinzipiellen Unterschied (mehr).
Die Vermessungsaufgaben sind eng an das Baugeschehen gekoppelt. Dieses gliedert sich in 3 zeitliche Abschnitte, die anschließend im Überblick skizziert werden (Vermessungsaufgaben in diesem Überblick kursiv

Bei größeren Brücken ist es üblich, Varianten für den Entwurf zu untersuchen, um so eine möglichst günstige Lösung zu finden. Alternative Entwürfe werden dann am Computer visualisiert.
Um das Objekt einschließlich weiterer Informationen - z. B. über den Baugrund - als 3D-Modell darzustellen, ist die Bestandsdokumentation umfangreicher als für eine normale Verkehrslinie.

Bei der Brücke unterscheidet man zwischen dem U n t e r b a u, den Fundamenten mit den Pfeilern bzw. Stützen und den Widerlagern, sowie dem Ü b e r b a u, im wesentlichen die Tragekonstruktion und die Fahrbahn. Für den Unterbau ist meist eine besondere Gründung erforderlich, was einen zeitlichen Vorlauf erfordert, wie das gesamte Bauwerk selbst gegenüber dem Bau der anschließenden Verkehrslinie auf natürlichem Terrain.
Vor der Absteckung des Unterbaus wird ein Festpunktfeld eingerichtet. Von diesem aus werden zunächst die Fundamente - beginnend mit dem Erdaushub - für die Widerlager und die Pfeiler festgelegt. Es folgt das Einschneiden der Schnurgerüste auf den Fundamentaußenkanten und die Absteckung der Pfeiler- und Widerlagerfüße sowie die senkrechte Führung der Pfeiler.
Das heute für den Überbau am meisten verwendete Baumaterial ist Stahlbeton, meist als Verbund. Daraus formt man ein sog. biegesteifes Bauelement mit einer gewissen Elastizität. Diese bedingt zusammen mit der Materialausdehnung, dass der Überbau auf Rollen gelagert wird und Ausdehnungsmöglichkeiten besitzt, so dass der Verkehr nicht gestört wird. Zur Herstellung des Überbaus werden folgende Verfahren eingesetzt:  | Freivorbau: Von einem Pfeiler aus wird der Überbau mit Hilfe eines Vorbauwagens nach beiden Seiten gleichzeitig vorgeschoben.
|  | Taktschiebeverfahren: Stück für Stück des Überbaus wird an den Widerlagern hergestellt und anschließend auf die Stützen mit Hilfe hydraulischer Pressen vorgeschoben.
|  | Fertigteilbauweise: Vorfabrizierte Fertigteile werden vor Ort mit Hilfe großer Kranen montiert. |
Abzustecken und zu kontrollieren sind stets die Achsen auf den Pfeilerköpfen bzw. die Gleitschalung, beim Taktschiebeverfahren der vorzuschiebende Teil.
Die Fahrbahn wird zum Schluss zusammenhängend wie bei einer normalen Straße verlegt.
Das Gleisbett für Schienen ist in Bezug auf die Genauigkeit - insbesondere in Höhe und Querrichtung - anspruchsvoller als die Straße.
Der fortschreitende Zustand des Baugeschehens ist in Intervallen zu dokumentieren. Vor der Inbetriebnahme einer Brücke wird häufig ein Belastungstest durchgeführt.
Die Belastungsprobe gehört aus vermessungstechnischer Sicht zur Überwachungsmessung.

Durch Verschleiß des Bauwerks u. a. muss die Standfestigkeit einer Brücke nach ihrer Inbetriebnahme auf Dauer regelmäßig kontrolliert werden.
Überwachungsmessungen zur Kontrolle der Brücke laufen - wie die bei der Belastungsprobe - unter dem Stichwort Deformationsmessung.
Vorschriften: Der Straßen- und Eisenbahnbau in Deutschland und damit die Auftragsvergabe gehören zu den staatlichen Hoheitsaufgaben. Die Abwicklung liegt damit in den Händen der entsprechenden Behörden. Einige Hinweise zu den Vorschriften einschließlich vertraglicher Regelungen folgen am Schluss.
In den folgenden 5 Abschnitten werden spezielle Vermessungsarbeiten beim Brückenbau näher beschrieben. Ein Literaturverzeichnis mit Hinweisen bildet den Abschluss. - Bestandsdokumentation
- Lage-Festpunktfeld
- Höhenmessung
- Absteckung
- Überwachung

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